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Vier Fragen an Paul Capewell: Wie Lagerfugen den Erdbebenwiderstand von Mauerwerk beeinflussen

Der DAfM-Hochschulpreisträger über Lagerfugen, hysteretische Dämpfung und neue Spielräume für die Tragwerksplanung.

Prof. Dr. Detleff Schermer und Dr.-Ing. Paul Capewell bei der Verleihung des DAfM-Hochschulpreises 2026. Foto: Sabrina Patke

Was hat Sie an Ihrem Thema besonders interessiert?

Das Tragverhalten unbewehrter Mauerwerksbauten unter Horizontallasten ist mit den vielen möglichen Versagensmodi und Interaktionen ohnehin sehr komplex. Unter Erdbebenbeanspruchung kommen zu den statischen noch dynamische Aspekte hinzu, die möglichst realitätsnahe Berechnungen zusätzlich erschweren.

An der Weiterentwicklung von Berechnungsansätzen in diesem komplexen, aber auch sehr praxisrelevanten Bereich zu arbeiten, hat mich sehr gereizt. Die Motivation für dieses Thema ergab sich auch aus meinen vorangegangenen beruflichen Erfahrungen in der Tragwerksplanung. Für den Erdbebennachweis größerer Mauerwerksbauten wurden Aussteifungswände mehrfach in Stahlbetonbauweise umgeplant, weil zusätzliche Tragreserven des Mauerwerks entweder nicht bekannt waren oder ihr rechnerischer Nachweis mit einem zu hohen Aufwand verbunden gewesen wäre.

Welche Rolle spielt die Lagerfuge, wenn man das Erdbebentragverhalten von Mauerwerksbauten besser verstehen will?

Häufig verläuft das Rissbild schubbeanspruchter Mauerwerksscheiben entlang der Lagerfugen, was deren Bedeutung für das Erdbebentragverhalten verdeutlicht. Über die Art der Lagerfuge lassen sich zwei Kenngrößen besonders gut beeinflussen, die für den Erdbebenwiderstand von Mauerwerksbauten maßgeblich sind: die Duktilität und die hysteretische Dämpfung.

Welche Erkenntnis aus Ihrer Arbeit ist aus Ihrer Sicht besonders relevant für die Praxis?

Über die Auswahl einer geeigneten Lagerfugenart lässt sich das Erdbebentragverhalten von Mauerwerksbauten unter günstigen Randbedingungen verbessern, ohne die Steinsorte oder andere geometrische oder statische Randbedingungen verändern zu müssen. Durch diese zusätzliche Gestaltungsmöglichkeit kann der Prozess der Tragwerksplanung flexibler werden.

Zudem sollte generell bei der Beurteilung des Erdbebenwiderstands von Mauerwerksbauten die hysteretische Dämpfung neben der Tragkraft und der Duktilität mehr in den Fokus gerückt werden.

Was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit und der Auszeichnung für Ihren weiteren beruflichen Weg mit?

Meine vertieften Kenntnisse im Erdbebeningenieurwesen von Mauerwerksbauten kann ich auch künftig in beratende und gutachterliche Tätigkeiten einbringen.

Die Auszeichnung ist eine tolle Bestätigung der Arbeit der vergangenen Jahre. Sie zeigt mir, dass meine Forschung im Mauerwerksbau beim DAfM auf Interesse und Anerkennung gestoßen ist. Darüber freue ich mich sehr.