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Vier Fragen an Carla Klein: Nachhaltigkeitsinformationen digital nutzbar machen

Die DAfM-Hochschulpreisträgerin über BIM, Datenqualität und den Praxisbezug nachhaltiger Planung im Mauerwerksbau.

Prof. Detleff Schermer würdigt Carla Klein im Rahmen der DAfM-Hochschulpreise 2026 bei der International Masonry Conference in Lübeck. Foto: Sabrina Patke

Was hat Sie an Ihrem Thema besonders interessiert?

Mich hat besonders die Frage interessiert, wie sich die über viele Jahrzehnte aufgebaute Wissensbasis des traditionsreichen Mauerwerksbaus in moderne digitale Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) überführen lässt. Die Verbindung eines bewährten Baustoffs mit innovativen digitalen Technologien bietet aus meiner Sicht großes Potenzial, ganzheitliche Nachhaltigkeit unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit weiter voranzubringen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts LeNa, das mithilfe künstlicher Intelligenz Materialinformationen aus verschiedenen Datenbanken zusammenführt und analysiert, um fundierte Optimierungspotenziale für eine nachhaltigere Gebäudeplanung abzuleiten, konnte ich dieses Potenzial analysieren. 

Ergebnisse stellt die Projektseite des Innovationsnetzwerks Nachhaltiges Mauerwerk vor. 

Wo sehen Sie den größten Hebel, damit Nachhaltigkeitsinformationen in digitalen Gebäudemodellen wirklich nutzbar werden?


Der größte Hebel liegt in einer belastbaren und standardisierten Datengrundlage. Mit der ÖKOBAUDAT stehen heute bereits umfangreiche ökologische Kennwerte zur Verfügung, das ist ein wichtiger erster Schritt. Für eine ganzheitliche Bewertung werden jedoch weitere Informationen benötigt, beispielsweise bauphysikalische Kennwerte wie Wärmeleitfähigkeiten. Gleichzeitig besteht Handlungsbedarf bei der Standardisierung: Das aktuelle IFC-Schema ist bislang nur eingeschränkt geeignet, sämtliche relevanten Nachhaltigkeitsinformationen interoperabel und damit automatisierbar in digitalen Gebäudemodellen zu implementieren.

Was wünschen Sie sich für die weitere Forschung im Mauerwerksbau?


Ich wünsche mir, dass die Nachhaltigkeitspotenziale des Baustoffs Mauerwerk weiter erforscht, quantifiziert und sichtbar gemacht werden. Gerade vor dem Hintergrund der europäischen Regulierung, etwa durch den EU Green Deal, konkret durch die EPBD und die EU-Taxonomie, wird dies zunehmend wichtiger. Gleichzeitig sehe ich auf Herstellerseite bereits heute eine große fachliche Expertise. Künftig sollte die Forschung verstärkt darauf abzielen, dieses Wissen mithilfe digitaler Technologien effizient und automatisiert für Planungs- und Bewertungsprozesse nutzbar zu machen.

Was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit und der Auszeichnung für Ihren weiteren Weg an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Baupraxis mit?


Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mit 20 Expertinnen und Experten aus der Bauwirtschaft gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass sich digitale Lösungen nur dann durchsetzen, wenn sie praxistauglich sind. Eine Methode, die Planende zusätzlich belastet oder unnötige Mehrkosten verursacht, wird sich langfristig nicht etablieren.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ICoM - Institut für Baumanagement, Digitales Bauen und Robotik im Bauwesen beschäftige ich mich weiterhin mit den Themen Building Information Modeling (BIM) und ganzheitliche Nachhaltigkeit. Mein Ziel ist es, dazu beizutragen, digitale Lösungen zu entwickeln, die wissenschaftlich fundiert sind und gleichzeitig einen echten Mehrwert für die Baupraxis schaffen.